5° 32' 7'' N, 73° 22' 4'' W – Nürnberg – Tunja (Kolumbien)

Seit mehr als 50 Millionen Jahren bevölkert es die Erde und wird bis zu vier Tonnen schwer: Rhinocerotidae – das Nashorn.

Albrecht Dürer verewigte dieses faszinierende Tier 1515 auf einem ikonischen Holzschnitt, obwohl er es Zeit seines Lebens selbst nie gesehen hatte. Bis heute ist sein „RHINOCERVS“ eines der berühmtesten und meist rezipierten Kunstwerke der Welt. Es ist sein kommerziell erfolgreichster Holzschnitt, eine leicht zu transportierende Papierarbeit, die bereits im 16. Jahrhundert von Nürnberg aus in ganz Europa bis in die südamerikanischen Anden Bekanntheit erlangte.

Die Koordinaten 5° 32′ 7″ N, 73° 22′ 4″ W weisen den Weg in die kolumbianische Stadt Tunja. Hier lebte der Schreiber und Buchgelehrte Juan de Vargas in einem prächtigen Herrenhaus, das er kunstreich ausgestalten ließ. Die Decke eines großen Saals im Obergeschoss ließ er u.a. mit einer Elefantenjagd und Tierdarstellungen bemalen – darunter ein Nashorn, das unverkennbar auf Dürers Rhinocerus zurückgeht.

Eindrucksvoll ist dieses Beispiel und steht exemplarisch dafür, wie sich künstlerische Meisterschaft dank technischer Innovation und die Anbindung an ein weltweit operierendes Netzwerk von Nürnberg aus international verbreitete. Ein Nashorn, das von Indien aus nach Europa reiste, diente als Inspiration für einen Holzschnitt, der von Europa aus wieder um die ganze Welt ging: Globalisierung Anfang des 16. Jahrhunderts!

Auch in späteren Jahrhunderten diente das Rinocerus Dürers unzähligen Künstlern als Vorlage, daneben ziert es zahlreiche Mousepads, Kühlschrankmagnete und Einkaufstaschen. 2010 verewigte Neil MacGregor Dürers Nashorn als 75. Objekt im Projekt „Geschichte der Welt in 100 Objekten“ des „British Museum“ in London.